Straatjournaal – 104 Einkommen groß und doch „zu klein“

Die Biene im Interview mit der Chefredakteurin des Haarlemmer Straatjournaals, Jessica Hoogenboom, im Auftrag der Wiener Straßenzeitung Augustin.

Chefredakteurin Jessica, Redakteurin Irene Scheltes im Büro. Die beiden mögen ihren Job. Das merkt man.  (c) buendia bee

Chefredakteurin Jessica, Redakteurin Irene Scheltes im Büro. Die beiden mögen ihren Job. Das merkt man.
(c) buendia bee

Wovon lebt das Straatjournaal?

Wir leben fast ausschließlich, zu 95 Prozent vom Verkauf der Zeitung. Ein bisschen etwas kommt aus der Werbung und ein kleiner Teil aus Spenden. Um mehr aus Werbung zu erzielen, müsste jemand daran arbeiten. Wir sind zu klein dafür, hier arbeiten vier Leute in Teilzeit.

Wie viele Menschen erzielen ein Einkommen durch das Straatjournaal?

Da muss ich mal nachrechnen. So achzig Verkäufer, etwa 20 freie Mitarbeiter pro Ausgabe und wir vier. 104. Unsere VerkäuferInnen arbeiten in Haarlem und der benachbarten Region, doch das Zentrum ist die Stadt, wo etwa die Hälfte arbeitet.

Wie viele VerkäuferInnen haben über die Jahre (seit  1997) mit Euch gearbeitet?

Wir haben unlängst den 350. Ausweis ausgegeben, das System wurde ein paar Jahre nach Gründung eingeführt. Ich schätze so 400 biss 500 waren es wohl insgesamt.

Wer verkauft das Straatjournaal?

Der „durchschnittliche“ Verkäufer ist ein Mann zwischen 40 und 50. In letzter Zeit ist aber eine Gruppe jüngerer Männer dazugestoßen, die aus Rumänien kamen. Viele der VerkäuferInnen kamen in den letzten Jahren aus ehemaligen Sowjet-Staaten wie Armenien und Georgien. Eine weitere große Gruppe sind rumänische und bulgarische Arbeitssuchende, die keine Arbeitsgenehmigung bekommen und hier über Jahre hängen bleiben. Und dann gibt es noch AsylwerberInnen aus allen möglichen Ländern.

Wie „groß“ seid Ihr verglichen mit anderen niederländischen Straßenzeitungen?

Wir verkaufen im Schnitt 12.000 Exemplare, circa 8.000 im Sommer und 25.000 um Weihnachten. In Den Haag ist es ein bisschen weniger, in Amsterdam ein bisschen mehr und in Utrecht fast gleich.

Ich vergleiche hier die vier Zeitungen, die sich unlängst zusammen getan haben, um ein Qualitätssigel für Straßenzeitungen zu machen. Das haben wir jetzt und es funktioniert ganz gut. Damit wollen wir uns auch bewusst von Straßenzeitungen absetzen, die weniger qualitätsvoll sind und hinter denen weniger Strukturen stehen und die keine Regeln einhalten. Von den Straßenzeitungen in den Niederlanden sind sechs im INSP [im Internatioinalen Netzwerk der Straßezeitungen; Anm.] organisiert. Es gibt daneben noch vier oder fünf andere.

Danke für das Gespräch

Den Haupttext meines Paketes zum Straatjournaal gibt es hier.

Wie es Mihai zum Straatjournaal verschlagen hat, steht hier.

Näheres zu Mohamed, dem freundlichsten Verkäufer Haarlems, hier.

Das Interview entstand im Auftrag der Wiener Straßenzeitung Augustin und wurde dort in der aktuellen Ausgabe veröffentlicht. Was sonst noch im neuen Augustin steht, findet Ihr hier.

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3 Kommentare zu “Straatjournaal – 104 Einkommen groß und doch „zu klein“

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